Terni - Alte Kirchen im modernen Stadtkern

Im Süden der Region Umbrien liegt Terni in einer Ebene am Fluss Nera, etwa 30 km südlich von Spoleto. Die Römer nannten die wahrscheinlich schon 672 v. Chr. gegründete Siedlung des Volksstammes der Naharsker Interamna  - zwischen den Flüssen -, ein Name, der sich im Laufe der Jahrhunderte zu Terni abschliff. Immerhin soll hier, was keiner außer den Einheimischen so recht glauben mag, Tacitus, der genialste und polemischste Historiker der römischen Kaiserzeit, geboren worden sein. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Terni zum zentralen Industriestandort Umbriens und erlebte besonders durch seine Stahlwerke einen bedeutenden Wirtschaftsaufschwung. Wegen der zahlreichen Stahlwerke und der damit verbundenen strategischen Bedeutung für die Rüstungsindustrie wurde die Stadt im Zweiten Weltkrieg durch Bombenangriffe stark zerstört. Heute ist die Stadt eine moderne Provinz- und Industriehauptstadt und somit immer noch das wichtigste Wirtschaftszentrum Umbriens.
Zugegeben - Terni ist aufgrund seiner modernen und von Industrieanlagen geprägten Stadtarchitektur nicht das, was der Umbrien-Tourist erwartet. Dennoch kann es sehr erfrischend sein, in dieser rhythmischen Metropole auf Entdeckungsreise in das Altertum zu gehen. Mittelpunkt Ternis ist die Piazza della Repubblica mit dem 1878 im Stil der Neorenaissance errichteten „Palazzo Comunale". Weiter auf der „Piazza Europa" dominiert der alles überragende „Palazzo Spado", ein Spätwerk des Petersdom-Baumeisters Antonio Sangallo, und in dem heute die Stadtverwaltung untergebracht ist. Von hier sind es nur wenige Schritte zur stimmungsvollen, zwischen modernen Straßen eingeklemmten „Chiesa San Salvatore" und über Via Roma und Via Aminale gelangt man zur Piazza del Duomo. Ein moderner Brunnen mit den Allegorien der beiden Flüsse Nera und Velino erinnert an den antiken Stadtnamen Interamna. Auf der gegenüberliegenden Platzseite versucht der „Duomo S. Maria Assunta" mit der 1653 barockisierten Fassade seine romanischen Ursprünge zu verschleiern. Von der Piazza del Duomo erreicht man über die Via XI Febbraio, eine der wenigen Gassen Ternis mit Altstadtcharakter, die hübsche kleine Malteserkirche „Sant' Alò" und weiter nördlich lädt der Kirchplatz von „San Francesco" zu einer Rast ein. Mit einem Bummel über den „Corso Cornelio Tacito" kann man den Besuch Ternis gemütlich ausklingen lassen. Hauptattraktionen sind die Piazza Tacito mit der 1936 angelegten Fontäne und das „Pazzaglia", die berühmteste Konditorei des Ortes. Alternativ empfiehlt sich ein erholsamer Spaziergang durch die Parks an den Ufern der Nera.
Ein touristischer Klassiker ist der Ausflug zu den viel gemalten und viel besungenen Wasserfällen von Terni. Die 165 m hohe „Cascata delle Marmore" ist erstaunlicherweise von Menschenhand geschaffen. 271 v. Chr. ließ der Konsul Manlius Curius Dentatus einen Kanal graben, um den versumpften Velino-Fluß über die Kaskaden in die Nera abzuleiten. Da das Gefälle heute zur Stromgewinnung genutzt wird, sind die Wasserfälle nur selten und nach einem komplizierten Stundenplan (Informationen in Tourismusämtern und Hotels) in Betrieb. Ist der „Wasserhahn" aufgedreht, lohnt der Ausflug zu dem antiken Ingenieurs-Spektakel (7 km Richtung Rieti)
Wem von unten das richtige Foto nicht gelingt, der sollte auf der strada superiore den bei den Einheimischen beliebten Ausflugspark ansteuern. Von Pavillons aus kann man auf die sprühenden Wassermassen schauen und auf glitschigen Pfaden durch dichte Vegetation streifen.