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Noch immer ist das Städtchen Spoleto, einstmals ein großes Herzogtum über viele Jahrhunderte, das knorrigste, dunkelste und steilste der umbrischen Zentren. Aber seit dem dort 1958 zum ersten Mal das „Festival dei duo Mondi" aufgeführt wurde, ist Spoleto heute das kulturelle Zentrum umbrischer Lebensart. Der großzügige Domplatz mit der glitzernden Mosaikfassade, die luxuriösen Antiquitätengeschäfte, die vorzüglichen Trüffeltrattorien und die „Passeggiata" zum gigantischen Aquädukt sind die bevorzugten Schauplätze der Schönen und Schicken.
Wer in
Spoleto zu Gast ist, sollte sich Zeit für eine spannende Entdeckungsreise in die reiche historische Vergangenheit nehmen. Dem Besucher öffnet sich der Blick auf eine starke Festungsanlage, die um 241 v. Chr. von Römern erbaut worden und an deren Mauern selbst Hannibal gescheitert ist. Diese starken und antiken Mauern der hoch über dem Tessino-Fluss aufragenden Stadt und ihre strategische Position machten sie schon während der großen Völkerwanderung in Italien zu einem wichtigen Zentrum. Seit 571 v. Chr. war Spoleto ein Herzogtum, in dem unzählige Fürsten und Herzöge bis in das Mittelalter hinein herrschten. Erst im 11. Jahrhundert durchbrach Kaiser Friedrich Barbarossa die Macht der Mauern und ließ Spoleto fortan unter die Regentschaft von Papst Gregor IX stellen. Die imposante rechteckige Stadtfestung „Rocca Albornoz", von sechs Türmen gekrönt, war über Jahrhunderte Sitz der päpstlichen Gouverneure, 1499 residierte hier Lucrezia Borgia, die Herzogin von Spoleto. 1860 verteidigten katholische irische Freiwillige die Rocca vergebens gegen die Truppen Italiens, die das päpstliche Bollwerk nach ihrem Sieg zum Kerker machten.
Von der Piazza della Liberta aus kann man Spoleto in zwei Richtungen erkunden. Zunächst die Unterstadt, in der sich aberzählige Relikte der römischen und mittelalterlichen Geschichte befinden. So z.B. die Barockkirche „San Fillipo" oder die kleine „Chiesa SS. Giovanni e Paoli", die kostbare Fresken birgt. Auf der baumbestandenen, ehemaligen Bastionsstraße „Via Cecili" kann man die antike Stadtmauer entlang schlendern, deren untere Blöcke aus dem 4. Jahrhundert stammen. Das pulsierende Stadtleben findet in der Oberstadt statt. Im Süden liegt das „Teatro Romano", das heute 3.000 Zuschauer fasst und mit seiner beeindruckenden Kulisse, die aus dem 1. Jh. N. Chr. stammt, zu den stimmungsvollsten Aufführungsorten des Festival die due Mondi gehört. Steil bergauf über die „Piazza Fontana" geht es durch den etwas in die Straße versunkene „Arco di Druso" in das historische Zentrum zum antiken Marktplatz. Alltäglich lädt hier auf dem „Piazza del Mercato" ein malerischer Vormittagsmarkt zum Bummeln ein. Ein Blick auf das Bienenwappen Urbans VIII. am barocken Marktbrunnen, dann geht es weiter zu den edlen Antiquitätengeschäften der „Via del Palazzo dei Ducchi". Die mittelalterlichen Läden besitzen noch ihre originalen gemauerten Verkaufstresen. Rechts führt die „Via Saffi" zum großen mittelalterlichen „Palazzo Comunale", der nach einem Erdbeben um 1780 eine neue Fassade erhielt.
Großartig ist das Gefühl, auf der Treppe der Via dell'Arringo zum weiten Vorplatz des mosaikfunkelnden „Duomo S. Maria Assunta" mit seinem Campanile hinunter zu schreiten. Nach der Zerstörung des alten Doms 1155 durch Kaiser Barbarossa nahm man sofort den Neubau in Angriff, der 1198 durch Papst Innozenz III. persönlich geweiht wurde. Die Tafelfassade mit ihren acht Fensterrosen gehört zu den prächtigsten Umbriens. Das Mosaik von 1207 zeigt Christus als Weltenherrscher mit Maria und Johannes. Gefertigt hat es ein Doctor Solsternus, der sich, wie die gereimte Inschrift zeigt, offensichtlich als modernus empfand. Schräg gegenüber stößt man auf einen der Schauplätze des Festivals, das Teatro Caio Melisso, welches im 17. Jh. erbaut wurde und auf einem Brunnensarkophag thront, der in Sommernächten Treffpunkt der Spoleter Jugend ist.
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